8.11.2007 öffentliches Positionspapier der `Initiative Neuenheimer Marktplatz`

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Initiative Neuenheimer Marktplatz / Positionen zum
`Für und Wider` eines Bürgersaales in Neuenheims historischer Mitte

1. Bestandsanalyse und Bedarf am Marktplatz
Der Marktplatz in seiner jetzigen Form erfüllt sämtliche Anforderungen einer `Bürgerbegegnungsstätte`.
Als Quartiersknotenpunkt ist er multifunktional mit Gastronomie-, Einkaufs-, Markt-, Spiel- und Begegnungsmöglichkeiten gesäumt. Herausragendes Qualitätsmerkmal des bestehenden Spielbereiches ist die räumlich gefasste Situation. Sie erlaubt gleichermaßen Kontrolle und Kommunikation über den ganzen Platz hinweg und macht ihn damit zu einem urbanen, aktiven Raum und Potential für alle Generationen.

Im Stadtteil gibt es räumliche Angebote, die bereits jetzt Funktionen einer Bürgerbegegnungsstätte abdecken (Kirchen, Gaststätten, Clubräume). Chancen und Qualitäten eines möglichen zusätzlichen öffentlichen Raumangebotes müssen deshalb gut abgewogen und vorher klar definiert werden.

Defizitär abgedeckt sind Räume für:
- qualitätvolle offene Jugendarbeit für Kinder und Jugendliche ab etwa 10 Jahren;
- Generationencafé; Zugezogenenfrühstück
- Quartiersmanagementfunktionen
- Behausung für ausleihbare Spiele und Spielgeräte
- Schulungsraum; Besprechungsräume für freie Initiativen und Vereine ohne eigene Räume

2. Stadtteilrahmenplan 2001
Im Stadtteilrahmenplan von 2001 sind viele wertvolle Bedürfnisse aufgeführt, darunter die Verkehrsberuhigung von Luther- und Ladenburger Straße. Auch der Bedarf nach einer Bürgerbegegnungsstätte wurde darin formuliert. Unseres Erachtens wäre dies aber ein grundlegend anderes Gebäude als das vorgestellte.

3. Wettbewerbsverfahren
Zwar ist in der Ausschreibung zum Architektenwettbewerb 2006 noch davon die Rede, den Spielplatz in gleicher Größe, Ausstattung und überschaubarer Lage zu erhalten. Gleichwohl hat dieser Aspekt bei der Bewertung der Entwürfe keine Rolle mehr gespielt. Jetzt muss der Spielplatz auf das neue Bauwerk Rücksicht nehmen, nicht umgekehrt.

4. Spielplatzalternative
Die von der Stadt vorgestellte Alternativplanung des Spielplatzes südlich des Bürgeramtes bedeutet einen massiven Eingriff in die Platzstruktur. Nicht nur der Eingang zum Markt, auch Veranstaltungen wie Fischerfest oder 1.-Maifest wären davon betroffen.

Der neue Spielbereich läge direkt an der Lutherstraße, und die Kinder in der Sandkiste wären daher Stickoxidemissionen und Feinstaubausstoß der Fahrzeuge direkt ausgesetzt. Schutz- und Sicherheitsprobleme ergeben sich zur Lutherstraße und aufgrund der Öffnung des Platzes zur Rahmengasse hin.

5. Nutzungsansprüche Kinder 6 +
Völlig unzureichend bedacht wären mit dem neuen Spielplatz die größeren Kinder (6-12), die nicht mehr nur in der Sandkiste sitzen, sondern Ball spielen und Rad fahren etc. Sie können bisher den gesamten mit Fallschutzplatten belegten Bereich nutzen, der ihnen nicht mehr zur Verfügung stünde. Eine qualitätvolle Raumgestaltung für Jugendliche fehlt in Neuenheim derzeit komplett.

6. Nutzung und Betrieb
Völlig unklar ist nach wie vor das Nutzungskonzept des Bürgersaals. Vorgestellt wird lediglich ein Betreiberkonzept: Der Stadtteilverein soll das Gebäude verwalten. Die Bürgerinnen und Bürger interessiert jedoch, wer wann zu welchen Konditionen den Saal nutzen können soll und darf.

7. Innenräumliche Strukturierung
Die innere Raumorganisation und Repräsentationsmöglichkeit für im Stadtteil aktive Gruppen und Vereine ist durch den vorgelegten Entwurf nur mangelhaft beantwortet.

8. Räume im historischen Bestand
Dringend notwendig erscheint neben dem geplanten barrierefreien Zugang zum Bürgeramt dessen grundlegende Sanierung und Einbindung in ein Nutzungs-Betreiberkonzept. Im Bürgeramt sind durch den Wegzug der Feuerwehr Räume frei geworden, die evt. auch in das Raumkonzept Bürgerbegegnungsstätte mit aufgenommen werden könnten.

9. Platzverbesserung und Umnutzung des Lager- und Gerätehauses
- Nivellierung der Höhenunterschiede auf dem Platz
- öffentlich zugängliche, behindertengerechte Toiletten, Wickelraum
- Sanierung der Sandkiste und des Fallschutzbelags
- zusätzliche Sitzbänke an der Südseite der Lager- und WC-Räume sowie des Bürgeramtes
- verkehrsberuhigende Maßnahmen in der Lutherstraße und Ladenburger Straße
- Aufwertung der Rahmengasse (Südseite) mit baulichen Verbesserungen
- barrierefreier Zugang zum Bürgeramt

Eine Erweiterung der bestehenden Geräte- und Lagerräume nach Norden würde zusätzlichen Raum für die dringend nötige Infrastruktur schaffen: Sitzbank als sozialer Treffpunkt, ggf. Kletterwand für Jugendliche, WC-Anlagen, Teeküche, Lagerraum, Mülllager. Zusätzlich kann ein nördlicher Eingangsbereich zum Bürgertreff/ Feuerwehrschuppen geschaffen werden. Offene Tore bzw. Verglasung schafft `Transparenz` in den Stadtteil.

Die Feuerwehrgarage ließe sich in unterschiedlicher Weise bestuhlen und in 2 oder 3 Teilräume untergliedern, um Nutzungsvielfalt zu schaffen: Feiern, Besprechungsraum, kleiner temporärer Ausstellungsraum, Vortragsraum, Tagungsraum, Kinder- oder Jugendgeburtstage, offene Bastelangebote, Mutter-Kind-Gruppen...

Die zu erwartende Lärmbelästigung der Anwohner des Marktplatzes mit den Schallemissionen der Aktivitäten im Bürgertreff ist dringend zu berücksichtigen. Die Idee eines räumlich begrenzten Treffpunktes für bis zu max. 60 Personen spricht hier für eine grundsätzlich geringere Lärmemission.

Der Baumbestand bleibt komplett erhalten. Auch die Neupflanzungen können bestehen bleiben.Über weitere Neuanpflanzungen in der Rahmengasse vor dem neuen Bürgertreff kann neben weiteren Gestaltungselementen des öffentlichen Raumes nachgedacht werden.